Angehörigenportraits

Géraldine Roubaty, Koordinatorin Entlastungsdienst von Pro Infirmis im Kanton Freiburg

Pflegende Angehörige leisten tagein tagaus enorm viel – nicht nur für Ihre Angehörigen, sondern auchfür die ganze Gesellschaft. Gelegenheiten zur Verschnaufpause gibt es selten. In Ruhe einkaufen zugehen oder ein Stunde Zeit für sich zu haben, ist ohne Unterstützung von aussen kaum möglich. Hiergreifen Institutionen wie Pro Infirmis mit dem so genannten Entlastungsdienst pflegendenAngehörigen unter die Arme. Sie bieten Hand in der täglichen Aufsicht und Betreuung von Kindernoder Angehörigen mit einer Behinderung.Frau Géraldine Roubaty ist eine der zwei Koordinatorinnen beim Entlastungsdienst von Pro Infirmis imKanton Freiburg. Sie erzählt mir im Interview Näheres zu diesem Angebot und ihrem beruflichen Alltag.


Dinah Jost: Frau Roubaty, wie engagiert sich Pro Infirmis für pflegende Angehörige?

Géraldine Roubaty: Bei Pro Infirmis bieten wir pflegenden Angehörigen Hilfe und Unterstützung in dreiBereichen an. Einerseits im Rahmen vom Entlastungsdienst und dem begleiteten Wohnen, anderseitsdurch soziale Beratungen, die für pflegende Angehörige kostenlos sind. Wir legen grossen Wert darauf,pflegenden Angehörigen mit der Wertschätzung und Anerkennung zu begegnen, die sie verdienen.Unser Ziel ist es, sie in ihrem Alltag bestmöglich zu unterstützen in dem, was sie brauchen.


Mit welchen Anfragen können sich pflegende Angehörige an den Entlastungsdienst wenden?

Unser Angebot reicht je nach Bedarf von ganz kleinen Aufgaben eine Stunde pro Woche biszu Einsätzenmehrmals wöchentlich für mehrere Stunden. Dazu gehören unter anderen zum Beispiel Hilfestellungenbeim Essen und Trinken, zusammen an Freizeitaktivitäten teilnehmen oder Unterstützung fürergotherapeutische Übungen. Das heisst, wir leisten punktuell Hilfe und bieten keine 24h-Betreuungan. Grundsätzlich leisten wir jegliche Unterstützung, die die Betreuung und Aufsicht beinhaltet, ohneaber spezifische Pflege oder Haushaltstätigkeiten anzubieten. Einfache Pflege wie Haare waschen,baden oder Windeln wechseln gehören aber schon dazu [...]


Klicken Sie hier, um das vollständige Interview einzusehen !


 

Judith Krattinger, Koordinatorin für die Begleitung zuhause, Alzheimer Freiburg.

Pflegende Angehörige leisten tagein tagaus enorm viel – nicht nur für Ihre Angehörigen,sondern auch für die ganze Gesellschaft. Gelegenheiten zur Verschnaufpause gibt es selten.In Ruhe einkaufen zu gehen oder ein Stunde Zeit für sich zu haben, ist ohne Unterstützungvon aussen kaum möglich. Hier greifen Organisationen wie Alzheimer Freiburg mit derBegleitung zuhause den pflegenden Angehörigen unter die Arme. Sie bieten den erkranktenPersonen während einiger Stunden eine individuelle Betreuung an.


Dinah Jost: Frau Krattinger, Sie sind Koordinatorin für die Begleitung zuhause von AlzheimerFreiburg. Können Sie mir Näheres zu diesem Angebot erzählen?

Frau Krattinger: In erster Linie ist es uns wichtig, dass wir die pflegenden Angehörigenentlasten können, wobei wir natürlich auch Erkrankte begleiten, die alleine leben. Ob es sichdabei um einen Spaziergang mit der betroffenen Person handelt, um Vorlesen, Musikhörenoder Singen, Diskussion oder einen Jass, ist ganz individuell verschieden. Pflegerische oderhaushälterische Tätigkeiten leisten wir jedoch in der Regel nicht. Meistens handelt es sich umein bis zwei Halbtage pro Woche, in denen unsere Betreuer_innen direkt zu den Betroffenennach Hause gehen. Damit eine persönliche Beziehung aufgebaut werden kann, legen wir Wertdarauf, dass die Begleitung immer durch dieselbe Person durchgeführt wird.


Wer leistet diese Unterstützung?

Es handelt sich um Mitarbeiter_innen mit einer speziellen Ausbildung für die Begleitung vonMenschen, die unter der Alzheimer-Krankheit oder einer anderen Demenz leiden. Eineprofessionelle Fachausbildung im Gesundheitswesen ist aber keine Voraussetzung für diesenKurs. Jede und jeder, der Freude an dieser Tätigkeit hat, kann sich dafür melden.


Wer nimmt das Angebot der Hausbegleitungen normalerweise in Anspruch?

Oftmals sind es die Ehepartner_innen der erkrankten Person, häufig aber auch die Kinder. Eskann sich ebenfalls um den Leumund oder die Spitex handeln, die uns kontaktieren, vor allemwenn es sich um Betroffene handelt, die allein leben.


Wie muss ich als pflegender Angehörige vorgehen, um von diesem Angebot profitieren zukönnen?

Uns einfach anrufen und das Anliegen schildern! Wir leiten die pflegenden Angehörigen andie richtige Stelle weiter, organisieren, was nötig ist und sind für Fragen offen.Wie engagiert sich Alzheimer Freiburg sonst noch für pflegende Angehörige?Neben der Begleitung zuhause bieten wir eine Reihe von anderen Dienstleistungen an, mitdenen wir pflegende Angehörige unterstützen können. Dazu gehören die Alzheimerferien,verschiedenen Informationsbroschüren, das Alzheimer-Café und die Gesprächsgruppen fürAngehörige, wo diese sich unter professioneller Begleitung austauschen können. Natürlichbieten wir auch Beratungen und Telefonkonsultationen an. Mehrmals jährlich findenöffentliche Vorträge statt und auch an gewissen Messen sind wir mit einem Informationsstandvertreten. Mehr Informationen zu diesen Angeboten gibt es auf unserer Webseite www.alz.ch/fr unter 'Angebote’.


Was möchten Sie pflegenden Angehörigen, anderen Fachleuten des Gesundheits- oderSozialwesens oder der Gesellschaft noch mitteilen?

Leider ist es immer noch so, dass pflegende Angehörige sehr lange warten, bis sie sich Hilfeholen. Ich wünschte mir, dass sie diesen Schritt früher wagen würden, ohne Scham undSchuldgefühle. Sie leisten einen grossartigen Job, bei dem wir sie gerne unterstützen möchten.

 

«Anderen beizustehen ist für mich eine Selbstverständlichkeit.» Gespräch mit Marianne Kolly – pflegende Angehörige

Vor mir sitzt eine Frau mit wachem Blick und offenem Herzen. Meine GesprächspartnerinFrau Marianne Kolly war über 20 Jahre lang pflegende Angehörige mit Leib und Seele. Siebetreute und begleitete enge Familienmitglieder und nähere Verwandte bei sich zu Hauseoder an deren Wohnort. Zurzeit pflegt sie privat niemanden mehr Vollzeit, für andere da zusein ist für sie aber fester Bestandteil ihres Alltags geblieben. Nicht nur in der eigenen Praxis,wo sie unter anderen andere pflegende Angehörige in der Begleitung unterstützt, sondernauch im privaten Umfeld, wo sie immer wieder «kleinere Verantwortungen» – wie sie esnennt – übernimmt.


Zu Beginn des Gespräches lege ich Frau Kolly vier Karten mit jeweils einem Hauptthema aufden Tisch. Sie darf zwischen «Bedürfnisse», «Gefühle und Auswirkungen», «Ressourcen» und«Schwierigkeiten» wählen, über welche Themen sie sprechen möchte oder nicht und inwelcher Reihenfolge. Sie entscheidet sich spontan für die Karte «Schwierigkeiten» alsStartpunkt und beginnt zu erzählen:

«Wenn man jemanden zu Hause innerhalb der Familie betreut und pflegt, braucht eseine grosse Toleranz seitens aller Familienmitglieder. In einer schwierigen Nacht mussvielleicht auch mal jemand anderes aufstehen oder helfen kommen. Wenn das eigeneKind krank wird, muss man sich organisieren, um die Doppelbelastung zusammenstemmen zu können. Es braucht eine gut funktionierende Kommunikation, Struktur undOrganisation innerhalb der Familie, damit der Alltag funktioniert und keineMissverständnisse oder Konflikte entstehen. Innerhalb des näheren Umfeldes sind aberdennoch auch Konflikte oder Missverständnisse möglich, da sich nicht alle immer überdas Vorgehen und den Umgang mit dem oder der Angehörigen einig sind. Es wardeshalb nicht immer einfach, in meiner Rolle als pflegende Angehörige richtigverstanden zu werden. Die Frage «wer zahlt» oder «wer leistet welche Hilfe», kannmanche Familienkonflikte auslösen. Für die pflegebedürftige Person ist es auch nichtimmer so einfach Hilfe anzunehmen. Die einschneidende Veränderung in derSelbstständigkeit können Stimmungsschwankungen und unterschiedliche Emotionenauslösen. Einen respektvollen Umgang ist gefragt! Somit ist es wichtig die eigenenGrenzen zu erkennen, um selber bei Kräften und im Gleichgewicht zu bleiben.»


Klicken Sie hier, um das vollständige Interview einzusehen !

 

Gespräch mit Iris Winkelmann – pflegende Angehörige

Frau Iris Winkelmann unterstützte ihren an Krebs erkrankten Ehemann 16 Jahre lang. Beidearbeiteten neben Familie mit Kindern und der Krankheit weiter – ihr Mann bis zu seinem letztenLebensjahr zu 100%. Vor vier Jahren ist ihr Mann 52-jährig verstorben. Welche Bedürfnisse,Gefühle und Schwierigkeiten sie in dieser Zeit begleitet haben, erzählt sie im folgenden Gespräch.


Dinah Jost: Frau Winkelmann, wie haben Sie sich im Alltag mit der Krankheit Ihres Mannesorganisiert?

Iris Winkelmann: Ganz grundsätzlich muss man wissen, dass mein Mann nicht gepflegt werdenwollte. So lange es ging, hat er mit der Unterstützung von unseren Kindern und mir seine Tätigkeitselbständig ausgeführt. Dies war möglich, weil er seine Zeiten flexibel einteilen und alleine arbeitenkonnte. Dennoch übernahm ich die Hauptverantwortung für unseren Haushalt, die Kinder, dieVertretung der Familie nach Aussen, am Schluss auch die Koordination aller Arzttermine,Operationen und medizinischen Gespräche. Dies mit meinem eigenen Beruf zu vereinen, war nichtimmer einfach.


Wo mussten Sie persönliche Abstriche machen, um diese Verantwortung tragen zu können?

Ich habe immer sehr gerne gearbeitet. Es war mir sehr wichtig, im Arbeitsleben aktiv zu bleibenund teilzunehmen. Meine Position als Teamleiterin musste ich jedoch ab einem gewissen Punktaufgeben. Einen Grossteil der Verantwortung neben dem Privaten auch im Beruf zu tragen, wurdeirgendwann zu viel für mich. Mir fehlte die Kraft für beides. Aber es ging lange, bis ich mir daseingestehen konnte. Und es tat weh, diesen Schritt tun zu müssen.


Klicken Sie hier, um das vollständige Interview einzusehen !

 

pa-f braucht Ihre Unterstützung

Sind oder waren Sie selbst ein oder eine pflegende Angehörige ?
Interessieren Sie sich für das Thema pflegenden Angehörige und für die Verteidigung ihrer Interessen?

Sie können uns unterstützen, indem Sie Mitglied werden, sich engagieren oder spenden.

Für weitere Informationen